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18. März 2019

Barmherzigkeit ganz konkret

Impuls zur zweiten Fastenwoche von Pater Théo Klein SCJ

Die Hand reichen
Skulptur von Luise Kött-Gärtner. (Foto by Roger Nilles / intranet.cathol.lu [cc by-nc-nd])

Was ist Barmherzigkeit? Um Barmherzigkeit zu erfahren, muss es zunächst ein Fehlen des Bewusstsein geben, sonst ist die Barmherzigkeit sinnlos und richtet sich an niemand. Barmherzigkeit ist immer konkret. Je abstrakter wir darüber diskutieren, umso mehr können wir in die Leere gehen. Bei den Wüstenvätern gibt es dafür ein Beispiel:

Zwei Brüder waren in den Kellien. Der eine war ein Alter und er bat den jüngeren und sprach: Bleiben wir zusammen Bruder. Der aber sprach: Ich bin ein Sünder und kann nicht bei dir bleiben Abba. Der aber bat ihn und sprach: Ja, wir können. Der Alte aber war rein und er wollte nicht hören, dass der Mönch Logismoi, d.h. Phantasien und Gedanken der Unzucht hatte. So sprach zu ihm der Bruder: Lass mich eine Woche und dann reden wir wieder. Der Alte kam nun und der jüngere wollte ihn prüfen und sprach: Ich bin in eine große Versuchung hineingefallen in dieser Woche. Ich ging in das Dorf zu einem Dienst und fiel in Unzucht mit einer Frau. Es sprach zu ihm der Alte: Gibt es eine Buße? Der junge Bruder sprach: Ja. Es sagte der Alte: Ich trage mit dir die Hälfte der Sünde. Und sprach zu ihm der Bruder: Jetzt können wir zusammen sein. Und sie blieben beieinander bis zu ihrem Tod.

Das ist ein Beispiel für gelebte Barmherzigkeit. Da wird nicht groß über Sünde diskutiert, nicht wegdiskutiert. Es auch nicht so lange erklärt bis es keine Sünde mehr ist, sondern sie war und bleibt bestehen, aber der andere trägt sie mit. Solche Menschen müssen wir suchen, wenn wir wissen wollen, was es heißt barmherzig zu sein. Denn letztendlich ist das eine Nachahmung Gottes: der die Sünde beim Namen nennt, aber sie letztlich auf sich selber nimmt, sie sich selber auflädt. Jede unsere Sünden lädt er auf sich und trägt sie. So haben es die Wüstenväter verstanden und getan. So sollten auch wir anfangen, damit wir das Wort der Barmherzigkeit einigermaßen erahnen und erfahren: „Seid barmherzig wie es auch euer Vater ist“ (Lukas 6,36).

Théo KLEIN s.c.j.
 
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