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Bicher-Rezensioune . Recensions de livres  
25. September 2018

Johannes Röser: Gott? Die religiöse Frage heute.

Religiöses Buch des Monats Oktober 2018

„Die Frage nach Gott ist nicht erledigt. Ganz im Gegenteil!“, schreibt Norbert Scholl in diesem Sammelband zum siebzigjährigen Bestehen der Zeitschrift ‚Christ in der Gegenwart‘. Sein Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Theologiegeschichte zeigt ihm, dass die Gottesfrage gerade anfängt, interessant zu werden. Das zeigen die 135 kurzen (3 – 10 Seiten) Beiträge dieses Lesebuchs, das Johannes Röser, Chefredakteur der Zeitschrift, zusammengestellt hat. Ein üppiges, intelligentes, forderndes und vor allem höchst lesenswertes Werk, in dem die Gottesfrage von Zeitgenossen – u.a. den Schriftstellern Ulla Hahn und Patrick Roth, den Politikern Winfried Kretschmann und Sebastian Kurz, den Bischöfen Gerhard Kardinal Müller und Manfred Scheuer, dem Theologen Thomas Ruster und dem Philosophen Volker Gerhardt ... – nein, nicht beantwortet, aber aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, theologischen und philosophischen Vorannahmen, Lebens- und Glaubenserfahrungen diskutiert wird.

Die unglaubliche Fülle der Beiträge mag zunächst erschlagend wirken, doch wer zu blättern beginnt, wird bald hängenbleiben, an einem Namen, einer Überschrift oder einem Stichwort. Bei Ulla Hahns Gedicht „Mein Gott“ zum Beispiel, in dem es heißt: „Wofür das alles? Dein Leben / Leiden Sterben / Für den / der fragt / sagt er und lächelt / befreit / von seinem Kreuz / nimmt mich / in seine Arme / flüstert mir ins Ohr: / Irgendwann / stell ich dich meinem Vater vor.“ Bei einem Beitrag über die Andacht, die den Weg zu Gott bahnt, aus der Feder des Alttestamentlers Ludger Schwienhorst-Schönberger oder bei der Kirchenhistorikerin Barbara Henze, die über das Gespräch als Weg, Gott zu suchen, schreibt.

Auch bei den nur aus kurzen, auf die Länge von Twitter-Nachrichten getrimmten Sätzen des Theologen Andreas Benk fängt man unwillkürlich an zu lesen: „Biblische Gottesgeschichten sind Hoffnungstexte. Aber nicht für uns.“ – „Ich bin Theologe: weiß, Mann, heterosexuell, lebenszeitlich verbeamtet, jenseits der 60 und mit satter Pensionserwartung. Wie kann ich es wagen, biblische Gottesgeschichten für mich in Anspruch zu nehmen?“

Andere Beiträge setzen sich mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft (Evolution, Urknall, Relativitätstheorie usw.) und deren Folgen für die Rede von Gott auseinander oder mit Kunst und Literatur.

Diese Annäherungen an Gott stehen alle unter der Grundannahme, dass Gott sich mit den Begriffen der Welt nicht fassen lässt. Der Fundamentaltheologe Ulrich Willers betont das in einem Brief an einen atheistischen Freund: „Wenn man’s begreift ..., dann ist’s nicht Gott. Berühren ..., ein bisschen, das scheint möglich.“ Und: „Gott ist kein Problem, wird besser als Geheimnis benannt, nie aufzudröseln, zu lüften, aber tief und tiefer auszuloten“.

Das Geheimnis tiefer und tiefer auszuloten, genau das leisten die Beiträge in diesem Band. Dabei ergänzen sie sich, widersprechen sich auch, argumentieren auf unterschiedlichen Niveaus, fordern das Denken heraus – aber überfordern nicht, wie man es von Beiträgen in ‚Christ in der Gegenwart‘ gewohnt ist. Anregende, sehr empfehlenswerte Lektüre!

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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