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"Tätowiere dir die Liebe auf’s Herz!“ – Eine Ode auf die liebvolle Kleinlichkeit Gottes

Kommentar zum 12. Sonntag im Jahreskreis A - Karsten Steil-Wilke (21.06.2026)

Nach dem lebensbejahenden und das Leben feiernden Festkreis von Ostern, sind wir jetzt Ende Juni mitten im Jahreskreis, also sozusagen im Alltag der Biblischen Leseordnung Katholischer Provenienz angekommen.

Dekonstruktiven Impulsen, sind wir in unserem Alltag zur Zeit ausreichend ausgesetzt: Kriegsangst, soziale Abstiegsangst vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen Krisen, Sorge um den Fortbestand unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und dem Schutz der Menschen- und Sozialen Rechte, zunehmende Gewöhnung an Gewalt und Krieg im Großen, wie im Kleinen, als scheinbar legitimes Mittel des Zusammenlebens und der Auseinandersetzung. Ich will diese Liste nicht weiter fortsetzen.

So höre ich in konkreten Gesprächen mit konkreten Menschen immer wieder die Klage, wie sehr es sie bedrückt mit ihren Herausforderungen, Erschwernissen und Sorgen nicht wahrgenommen zu werden. Nicht gesehen, nicht gehört zu werden. Diese Erfahrung und dieser Eindruck kann zu schwerem seelischem und existenziellem Ballast werden. In positiver Umkehrung beinhaltet dies vielleicht den Wunsch, dass ich mit meinem Leben von einem liebenden Blick angeschaut werden möchte, jemand um meine Nöte und Sorgen weiss, meine Existenz ín ihrer Vielschichtigkeit wahrgenommen und gewertschätzt wird.

Es lohnt sich manchmal, das jeweilige Evangelium in „leichter Sprache“ (www.evangelium-in-leichter-sprache.de) sich noch einmal als Relektüre zu Gemüte zu führen. Das Evangelium des nächsten Sonntages in leichter Sprache ist vor dem eingangs zitierten Gegegenwarts-Szenario wahres Balsam auf unserer aller Seelen und Leben, eine „Frohe Botschaft“ ohne Gleichen. Ich zitiere nur einige Auszüge: 

„Jesus sagte: Draußen gibt es viele Spatzen. Die Menschen finden Spatzen langweilig. Aber Gott findet Spatzen wichtig. Gott passt auf alle Spatzen auf. Gott passt sogar auf, wenn die Spatzen fliegen. Damit kein Spatz beim Fliegen herunterfällt. Jesus sagte: Fürchtet euch also nicht! Ihr seid viel wichtiger als die Spatzen. Gott passt auf euch viel mehr auf als auf die Spatzen. Bei Gott ist alles von euch wichtig. Bei Gott sind sogar eure Haare wichtig. Gott hat alle Haare auf eurem Kopf gezählt. Jesus sagte: Ihr könnt den Menschen ruhig erzählen, dass ihr bei Gott wichtig seid. – Und dass Gott auf euch aufpasst. – Und dass Gott immer bei euch ist. – Und dass Gott auf euch schaut. Dann freut sich Gott über euch.“

Gott liebt alles, was er geschaffen hat. Selbst einen Spatzen betrachtet Gott liebevoll, er bewahrt und schützt sie, so das Evangelium. Mit seinem „Schutz und Schirm“ ist unser Gott so fantastisch kleinlich, dass er nach dem Evangelisten, bis in die Mikrodimensionen eines Lebens hinein alles „haarscharf“ wahrnimmt und schaut, dass nichts verloren geht. Und dies alles, damit uns, wie der Volksmund sagt, kein einziges „Haar gekrümmt wird“.

Dieses Wissen sollte in regelmäßigem Gebet, also in direkter Kommunikation mit ihm, in der gemeinsamen „Feier der Danksagung“ für die Liebe Gottes und sein heilendes Handeln an uns (Eucharistie), im Lobgesang auf Gott und Zeiten innerer Einkehr in unseren Herzen eingebrannt werden. Jesus ruft uns zum furchtlosen öffentlichen Bekenntnis zu diesem unseren Gott auf, damit Jede/-r diese alles entscheidende und lebensverändernde Botschaft über unseren Gott zu hören bekommt. Die Botschaft, dass es in Jesus, dem Gesalbten, begründete Hoffnung auf Gerechtigkeit, Heilung, Frieden und Zukunft gibt über unsere sichtbare Welt hinaus. Ein befreundeter Kamaldulenser-Pater hatte bei seinem Tod seine Gemeinschaft mit einer schockierenden Frohbotschaft nachhaltig geprägt. Als sein lebloser Körper entkleidet und für die Bestattung vorbereitet wurde, entdeckten seine Mitbrüder eine Tätowierung auf der Höhe seines Herzens: „Love“ – „Liebe“ war dort mahnend zu lesen. Machen wir unsere Herzen auf und weit, damit sie von der Liebe Gottes voll werden und überfließen. Einer inneren Ruhe und Gelassenheit, die auffällt, damit die Menschen um uns angeregt werden zu fragen, was denn der Grund unserer Gelassenheit und Lebensfreude sei.

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