Ökumenischer Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen
Christen verschiedener Konfessionen gaben am 25. Januar in der Kirche von Hollerich ein Zeichen gelebter christlicher Einheit.
Zehn christliche Kirchen hatten sich am 25. Januar zu einem feierlichen ökumenischen Gottesdienst in der Kirche in Hollerich zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Kirchen versammelt, fünf protestantische, drei orthodoxe, die neuapostolische und katholische Kirche. Gastgeberin war die serbisch-orthodoxe Gemeinschaft, die seit drei Jahren in der Kirche von Hollerich ihre Gottesdienste feiert – einem Bauwerk, das so selbst zu einem starken Symbol gelebter Ökumene geworden ist. Die einst katholische Kirche wurde der serbisch-orthodoxen Gemeinde damals als Gottesdienstraum überlassen und steht seither für Vertrauen, Offenheit und kirchliche Verbundenheit über konfessionelle Grenzen hinweg. Ein zweiter, nicht anwesender Gastgeber, war die armenisch-apostolische Kirche, die in Luxemburg keinen eigenen Priester hat. Nach deren Liturgie wurde der Gottesdienst gefeiert.
Eröffnet wurde der Gottesdienst mit dem Vaterunser, dem gemeinsamen Gebet aller Christen. Musikalisch begleitet wurde das Gebet von Liedern aus der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, deren meditative Gesänge eine Atmosphäre der Sammlung und des gemeinsamen Hörens schufen. Im weiteren Verlauf folgte die Liturgie des Lichtritus nach dem heiligen Nerses dem Gnädigen der armenisch-apostolischen Kirche. Die Pfarrerin der anglikanischen Kirche in Luxemburg, Alison Heal, trug das armenische Lied „From the East tot he West“ mit würdiger, getragener Stimme vor.
Das Miteinander von Licht und Gebet in den liturgischen Texten, Litaneien und Psalmen verlieh der Feier eine besondere Tiefe und machte die spirituelle Verbundenheit der unterschiedlichen christlichen Traditionen sinnlich erfahrbar. In seiner Predigt griff Zoran Radivojević, der Pfarrer der serbisch-orthodoxen Gemeinde, die Lichttheologie des heiligen Johannes Chrysostomos auf. Johannes Chrysostomos sieht Christus als das wahre Licht, das durch seine Auferstehung die Dunkelheit von Sünde und Tod vertreibt. Dieses Licht wirkt nicht nur innerlich, sondern zeigt sich im christlichen Lebenswandel: in Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. In Taufe und Liturgie wird der Mensch „erleuchtet“ und in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Licht ist bei Chrysostomos stets gemeinschaftlich und ruft zu Einheit, Frieden und Verantwortung füreinander auf. Das Licht Christi ist auch die Quelle von Hoffnung, Frieden und Einheit – ein Licht, das die Kirchen nicht trennt, sondern aufeinander hin öffnet.
Der „Geist von Nicäa“ wirkt nach
Spürbar war an diesem Abend auch der Geist von Nicäa, dessen 1700-jähriges Jubiläum die Christen im vergangenen Jahr gemeinsam gefeiert hatten. Dieser Geist zeigte sich nicht nur im gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis, das 325 in Nicäa festgelegt wurde, am Ende des Gottesdienstes, sondern durchzog die gesamte Feier als leise, aber kraftvolle Erinnerung an den gemeinsamen Ursprung des christlichen Glaubens.
Darüber hinaus klangen in vielen Gebeten und Fürbitten auch Impulse des neuen Papstes Leo XIV. an, der den Frieden ins Zentrum seines Pontifikats gestellt hat. Seine Vision einer Kirche im Dienst der Versöhnung und des Friedens fand in der Atmosphäre des Gottesdienstes einen konkreten Ausdruck.
Fortgesetzt wurde das Gebet schließlich in einer gemeinsamen Agape im Vorraum der Kirche. Bei Essen, Getränken und Gesprächen wurden die kirchlichen Beziehungen vertieft und das Miteinander über konfessionsbedingte Unterschiede hinaus gepflegt. Der Abend in Hollerich machte so auch deutlich: Ökumene ist nicht nur ein theologisches Anliegen, sondern vor allem gelebte Begegnung und Gemeinschaft.
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